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Freitag, 10. Mai 2019 13:49

KAHLSCHLAG

Fließgewässer, Windschutzgürteln, Wald- und Wegränder werden in trostlose, abgeholzte Öden verwandelt

Die Klimaerwärmung ist es, die die Landschaft massiv zu zerstören droht. Diesen Eindruck gewinnt ein Spaziergeher in unserer Gemeinde. Kahle, von Baumstümpfen übersäte Weg- und Straßenböschungen sowie Windschutzgürtel beleidigen sein Auge, alte Kopfweiden und Pappeln liegen, an den Wurzeln abgesäbelt, in gewaltigen Haufen neben freigelegten Bächen. Setzt er seinen Spaziergang fort, erfährt er einen weiteren Schock. Neben Straßen und Feldwege türmen sich Gebirge von Holzstämmen und zerkleinertem Buschwerk, daneben gewaltige Haufen von Holzsplittern. Da dämmert´s ihm: Nicht die Klimaerwärmung  ist´s, die die Landschaft verödet. Es muss eine andere Macht am Werk sein. Aber welche?

  Es ist der Mensch!

Gewinnung von Bau- und Ackerland und Nutzung des Holzes haben einen weltweiten Kahlschlag verursacht. Die intensiv betriebene Forstwirtschaft in der Form von Baumplantagen, hat ihre Tücken. So verursacht der Trend zur Monokultur eine einseitige Nutzung des Bodens, Einschränkung der Vielfalt von Pflanzen und Tieren und damit eine sinkende Widerstandskraft der Wälder. Das schlägt sich oft in einem massenhaften Auftreten von Schädlingen nieder, denen ihre natürlichen Feinde fehlen. Ein naturbelassener Wald stellt ein völlig anderes Ökosystem dar.

Der Wald war früher kein gepflegter Forst. Das geheimnisvolle Leben der Bäume verlief fast ungestört. Viele modernde Stümpfe, umgefallene alte Bäume, dazwischen Moos und neu aufwachsende Sämlinge formten Wiegen für Insekten und Unterschlupf für Marder, Iltis, Igel und anderes Getier. Das heißt aber nun nicht, dass man das „nutzlose“ Holz nach einem Kahlschlag einfach liegen lässt. Siehe Baumfällungen in unserer Gemeinde. Da fehlt einfach der Baum im System! 

  
Die jüngere Generation der Forstwirte trägt dieser Erkenntnis Rechnung.

Waldbewirtschaftung mittels mehr Naturräume ist die Devise: mehr Laubhölzer und Sträucher, mehr Mischwald. Abgestorbenes Holz in Form von stehenden Baumstümpfen und liegenden Stämmen wird zum Teil belassen. Es bildet einen Lebensraum für eine Vielfalt von Organismen und ist ein wichtiger Bestandteil des Waldbodens. Dies zumindest sind die Worte, die man hört.

Da gibt es in unserer Nähe auch positive Beispiele (Schlosspark in Pottendorf), wie man öffentliche Naturräume pflegt. 


Ein Baum ist eine hochwirksame Klimaanlage; wer unter ihm rastet, wird es spüren

Bäume erfüllen eine Vielzahl von Aufgaben. Sie sind günstige CO²-Speicher. Im Durchschnitt bindet ein Baum 10 kg CO² pro Jahr. An einem einzigen Tag vermag er bis zu 370 Liter Wasser aus dem Boden aufzunehmen und in die Umgebung freizusetzen. Dabei kühlt er seinen Umkreis um mehrere Grade. Er kann bis zu 5 kg Luftschadstoffe im Jahr aufnehmen und bis zu 130 kg Sauerstoff produzieren.

Wo sind unsere natürlichen Klimaanlagen geblieben?


 Unser Stadtrat könnte von der jungen Generation der Forstwirte lernen

In unserer Gemeinde scheinen die Verantwortlichen, StR Gubik - FPÖ und Bgm. Kocevar – SPÖ, für die Pflege unserer wenigen Wälder, Windschutzgürteln,  Flüsse, Straßen- und Wegränder von diesen Fortschritten nichts gehört zu haben. Mit äußerster Brutalität werden prachtvolle alte Bäume und benachbarte Sträucher abgesäbelt und der Häckselfräse zugeführt. Hecken die entlang von Flussläufen, Straßen, Feldwegen und Waldrändern wachsen und zahllosen Tierarten Nahrung und Schutz bieten, werden gnadenlos den Biokraftwerken geopfert. Die große Nachfrage nach billigem Holz zur Verbrennung löst eine „Sägewut“ aus, die vor völlig gesunden Bäumen, Uferbegrünungen etc. nicht haltmacht. Wer ist dafür verantwortlich, dass kerngesunde alte Bäume gehäckselt, Begrünungen an Wegrändern, Flussufern über Kilometer hinweg kurz und klein geschnitten werden? Wer steckt hinter diesem Vandalismus? , fragt sich der Anrainer, allzu freien Blick auf Landstraße und Eisenbahn genießend, samt Lärm, Staub und Gestank. Wer gewöhnt unsere Kinder an den Anblick einer ausgeräumten kahlen Landschaft?

Es ist zu hoffen, dass den optimistischen Worten der Forstwirte Taten des zuständigen Stadtrates und Bürgermeisters folgen, die sich – im wahrsten Sinne des Wortes – sehen lassen können.    

 

Peter Jungmeister, BL