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I bins, der Häfnbruder

Es war vor mehreren Jahren, als ein sehr bekannter, in den Flughafenskandal involvierter und zu zwei Jahren Haft verurteilter Baulöwe in meine Sprechstunde kam und sich so vorstellte: „ I bins, der H. , der Häfenbruder!“ Klar hatte ich ihn erkannt und fragte sehr verlegen, warum er mir das erzähle. Darauf er: „Spätestens in fünf Minuten hätten Sie mich ohnehin gefragt, ob ich nicht irgendwie am Flughafenbau beteiligt gewesen wäre. Und diese Frage wollte ich Ihnen und auch mir ersparen.“

Den kannst gleich zurückgeben

In meiner Studienzeit begleitete ich hin und wieder einen meiner Freunde, der ein großes Restaurant führte, beim Einkauf in der Fleischhalle in St Marx, weil mir das dortige bunte Treiben sehr gefiel. Er war Kunde bei einem der größten und auch wohlhabendsten Händler, der aber gemeinsam mit seiner Frau tatkräftig im Betrieb mitarbeitete. Eines morgens, so gegen 5 Uhr kam der Chef mit einem breiten Lächeln in die Halle und sagte: „Mama, komm raus und schau dir unseren neuen Wagen an.“ Sie nahm zwei rote Fleischkisten und gemeinsam gingen wir vor die Halle. Vor uns stand der größte und schönste Mercedes, den ich je gesehen hatte. Die Mama ging auf das Auto zu, ließ den Kofferraum öffnen, versuchte die Kisten reinzustellen, was ihr allerdings nicht gelang und herrschte den Papa an: „Den kannst gleich zurückgeben, das ist kein Auto für einen Fleischer!“

Die Mama ist nun endgültig weg!

Einer meiner Studienkollegen hatte eine sehr leidenschaftliche Beziehung mit einer sehr feschen französischen Studentin….mit Hochs und sehr vielen Tiefs. Vor kurzem traf ich seinen Sohn und erkundigte mich nach dem Befinden seines Vaters. Er lächelte und meinte: „ Nicht besonders gut. Meine Eltern hatten viele Probleme, viermal haben sie sich getrennt und viermal wieder versöhnt. Jetzt habe ich vier Geschwister und die Mama ist nun endgültig weg! „

Einen Wunsch hätte ich noch

Vor Jahren besuchte ich als Bürgermeister eine alte Dame in Unterwaltersdorf um ihr zum 93. Geburtstag zu gratulieren. Wir saßen in der mit Holz beheizten Küche und plauderten über dies und das. Die Dame war sichtlich sehr erfreut und bedankte sich nach einer guten Stunde ganz ganz herzlich und gerührt für meinen Besuch und flüsterte mir abschließend ins Ohr: „Einen Wunsch hätt' ich noch, ich würd' so gern den Bürgermeister persönlich kennenlernen.“

Jetzt können Sie mir nichts mehr erklären

Auf ihrer Fahrt in die Schule hatte meine Gattin eine Reifenpanne. Ein Ehepaar aus Ebreichsdorf hielt an und half ihr beim Reifenwechsel. Am Abend bedankten wir uns mit einem Blumenstrauss und es entwickelte sich ein nettes freundschaftliches Verhältnis daraus. Bald war mir aber klar, dass es in der Ehe kriselte. Und dann kam die Bestätigung: in einem nächtlichen Telefonat erfuhr ich, dass der Mann für immer nach Florida ziehen wollte. Ich tröstete die Frau indem ich ihr erklärte, dass diese klare Entscheidung ihres Mannes sogar eine Chance für sie sei:

Du kannst alles

Bei einem meiner Besuche im neuen Kindergarten Sonnenschein lief ein dreijähriger Knirps auf mich zu und meinte: "Bürgermeister, du musst mir helfen. Die Tante lässt mich nicht in den Turnsaal gehen. Du kannst alles machen was du willst! Sag es der Tante!"

Ich war völlig überrascht über die Aussagen dieses aufgeweckten Jungen. Als ich aber seinen Vater dahingehend ansprach, würde mir vieles klar. Sein Großvater ist Bürgermeister in einer ganz kleinen Weinviertler Gemeinde.

Nur Ihnen zu Liebe

Der über meinen Antrag von der Gemeinde angeschaffte Citybus wurde unter anderem auch als innerstädtisches Transportmittel eingesetzt. Der Probebetrieb wurde aufgenommen und der Bus pendelte nach einem fixen Fahrplan durch die vier Katastralgemeinden. Gedacht war diese Aktion der Gemeinde als Hilfestellung für all die, die nicht mobil waren und Einkäufe oder Amts- und Arztbesuche tätigen wollten. Das Angebot wurde aber kaum angenommen und wir wollten den Betrieb wieder einstellen, wenn nicht eine ältere Dame aus Schranawand unsere Dienste täglich in Anspruch genommen hätte. Letztlich nahm ich mir doch den Mut und besuchte die alte Dame um ihr zu erklären, dass der Citybus aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr eingesetzt werden könne. Sichtlich verlegen rang ich nach den richtigen Worten, als mich die Dame mit einem netten Lächeln unterbrach und meinte: „ Na sehr gut, dann brauche ich auch nicht mehr fahren. Ich hab‘s ja nur Ihnen zu Liebe gemacht, damit der Bus nicht immer leer herumkutschiert. „

Freund und Feind

Es war im Jahre 1991 als ich zu einem Bürgermeistertreffen geladen war, bei dem die Gründung des Abfallverbandes beschlossen werden sollte. Da ich als (einziger) vehementer Gegner bekannt war - noch dazu weder rot noch schwarz- ergab sich eine für mich sehr peinliche Situation: Keiner wollte, dass ich an seinem Tisch Platz nehme. Erst als ich beim letzten Tisch anlangte und meine Frage nach einem freien Platz wiederholte, wurde ich von einem mir damals noch nicht bekannten Kollegen mit freundlichem Lächeln zum Platznehmen eingeladen.

Peinlich

Einer meiner Kollegen wurde während der Gangaufsicht von einem Schüler unabsichtlich gerempelt und herrschte diesen sichtlich erregt mit folgenden Worten an: „ Bist du blind dass ich hier stehe!“ Die Botschaft war wohl klar verständlich, aber auch sehr peinlich, da sie aus dem Munde eines als äußerst streng bekannten Deutschprofessors kam. Der Satz wurde zum Klassiker und wird meinen lieben Kollegen wohl ein Leben lang begleiten.

Eine klare Botschaft

Es war im Jahre 1999 als ein Ehepaar mein sehr bescheidenes Sprechzimmer in der Musikschule Unterwaltersdorf betrat. Das Erscheinungsbild sagte schon sehr viel aus: Sie vorne, dominant - er hinten nach zappelnd. Sie begann mit kräftiger Stimme den Grund ihres Besuches darzulegen. Als er ihre drastische Schilderung über den angeblich so bösen Nachbarn ergänzen wollte, stand sie au , drehte sich zu ihrem Gatten und fand sehr klare Worte: „ Singen kann man zu zweit, das nennt man dann Kanon; reden kann aber nur einer, drum haltst jetzt die Goschen.“ Der Gatte dürfte die Botschaft verstanden haben und verstummte.
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